Sven Spiegelberg
Portrait 2023
Sven Spiegelberg
Portrait 2023
Wegen seiner Träume steht er sehr früh auf
Badener Kunstmaler Sven Spiegelberg erfindet sich immer wieder neu – jetzt veranstaltet er Malkurse auf Flussschiffen.
Ursula Burgherr
Sven Spiegelberg steht in seiner Galerie zum Seiltänzer zwischen seinen Bildern und sprüht vor Energie. Der bald 69-jährige Künstler mit den braunen Locken wirkt immer noch buben-haft und scheint alterslos. Der Grund für seine fast nie versiegende Dynamik: „Ich stehe jeden Morgen um 4:30 auf. Dann ist der Bereich der Träume noch aktiv und ich lasse Ihn in meine Bilder einfliessen.“ Dazu spielt er Saxofon. „Die Klänge meines Instrumentes bringen mich zum Fliegen. Und ich erspiele mir damit weitere Motive für meine Malerei.“
Spiegelberg ist seit rund 35 Jahren als Maler aktiv. Kaum ein Schweier vermochte seine Kunst unter Liebhabern so zu verbreiten wie er. „Dabei bin ich nicht der Beste“, sagt er unprätentiös und lacht. Während andere Kunstschaffende auf Ihre Einzigartigkeit pochen, gibt er freimütig zu, dass seine Werke oft von Koryphäen wie Jean Tinquely beeinflusst wurden. Und die Leichtigkeit, die seine Bilder ausstrahlen, täuscht oft über den harten Schaffensprozess hinweg. „Manchmal fluche ich, wenn mir etwas nicht gelingen will.“

„Hobbymaler und professionelle Kunstschaffende sind einige Tage zusammen auf dem Schiff. Wir lassen die Motive an uns vorbeiziehen und halten sie auf der Leinwand fest.“
Sven Spiegelberg
Organisiert Malseminare
Sven Spiegelbergs Initiative ist gefragt. Nach zahlreichen Schiffsreisen stehen dieses Jahr Rhone- und Donau-Flussreisen mit dem Badener Reiseanbieter Twerenbold bevor.
Sven Spiegelberg wird mit seiner Klientel nicht nur malen, sondern je nach Region auch Vorträge über Cézanne, Van Gogh und Co halten. Mit Fachleuten werden Künstlerorte besucht, die sonst von der Öffentlichkeit unbeachtet bleiben.
Beliebter Kunstkalender fürs neue Jahr
Er zeigt mir ein Stillleben in Aquarell mit einer Pfirsichschale, das an Paul Cézanne erinnert. „Wie soll die Intensität der Farben sein? Wie gestalte ich die Perspektiven, Vorder- und Hintergrund? Alle Malerinnen und Maler kämpfen seit jeher mit denselber Themen“, meint er und fühlt sich bei seiner Arbeit in Gedanken durch diese Herausforderungen mit den grossen Ikonen verbunden. Seinen Stil zwischen Abstraktionen und fast fotonaturalistisch anmutenden Tierbildern ist breit gefächert.
Das wird von Kritikern gerne belächelt. Doch die breite Öffentlichkeit liebt ihn. Der Kunstkalender, den er jedes Jahr über die Festtage herausgibt, ist regelmässig ausverkauft. Trotz Vielfalt an malerischem Ausdruck hat Spiegelberg eine Stilkonstante. Renn keinem Trend hinterher. Hinterfragt ständig seine Werke, die er auch als handelkolorierte Reproduktionen an die Öffentlichkeit bringt. Jahrelang hat sich der einstige Philosophiestudent, der seine Doktorarbeit in Literaturwissenschaften abschloss, das Brot für seine Kunst als Reiseleiter verdient. Doch das Malen faszinierte ihn immer. „Wenn man ein Buch schreibt, hat das immer eine Reihenfolge von der ersten bis zur letzten Seite. Wenn ich male, ist das Resulatet ein dramatisches Miteinander und findet auf der Leindwand gleichzeitig statt“, bekundet er. Seit Jahren gibt er mit seiner Partnerin Seminare in seinem Atelier auf dem Bözberg. Und kann sie seit 2019 mit dem Fernweh verbinden. Damals fand das erste Malseminar auf einem Schiff zum Nordpol statt. Ein Erfolg. „Hobbymaler und professionelle Kunstschaffende sind einige Tage zusammen auf dem Schiff. Wir lassen die Motive an uns vorbeiziehen und halten Sie auf der Leinwand fest.
Die Reisen bringen neue Klientel nach Baden
Die Bilder, die von den bisherigen Wasserfahrten zurückkamen, sind von enormer Inspiration geprägt. Für die Malkurse auf den Schiffen verdient er nichts. Dafür zieht er mit den Reisen neue Klientel nach Baden in seine Galerie.
Für ihn finden Geschäfte stets über persönliche Kontakte statt. „Ich habe noch nie Werbung gemacht. Meine Verbreitung findet von Mund zu Mund statt.
